Hier finden Sie zur Erstausgabe (11.2.1495, GW5041) eine tabellarische Übersicht über die Kapitel, Folia und Holzschnittmeister, die mit der Übersetzung von Hermann Junghans und dem Kommentar von Friedrich Zarncke verlinkt ist.
  • Die außergewöhnliche Typenmischung von Antiqua und Druckbastarda auf Letternebene kann am Typenrepertorium der Wiegendrucke nachvollzogen werden, hat bisher aber keine allgemein akzeptierte Erklärung erfahren (Rockenberger 2011, 48f.).

  • Die erhaltenen Exemplare der Erstausgabe (s.u.) sind aus Seiten oder Lagen verschiedener Druckzustände zusammengesetzt: So lassen sich Abweichungen zwischen den Exemplaren nachweisen, die einzelne Lettern, aber auch ganze (oder mehrere) Worte betreffen und sich auf insgesamt 24 Seiten (und insb. auf die Lagen d, q und v) der ca. 350-seitigen Druckausgabe verteilen. Es handelt sich um Eingriffe in den Text, die während des Druckprozesses in der Basler Offizin vorgenommen wurden und z.B. Korrekturen von Satzfehlern, kleinere sprachlich-grammatische Revisionen oder auch inhaltlich relevante Varianten umfassen (deren Entstehung kann man sich ohne Brants Einverständnis kaum vorstellen). Angesichts der Verteilung dieser Abweichungen lässt sich für die Erstausgabe des 'Narrenschiffs' eine unkorrigierte Fassung A und eine korrigierte Fassung B unterscheiden. Die Abweichungen sind im Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Bd. IV, Sp. 671-678 zusammengestellt (unvollständig). Ihre erstmalig vollständige Erfassung und Dokumentation ist in Vorbereitung.

  • Die auflageninterne Varianz umfasst auch die Verlegermarken Bergmanns von Olpe auf fol. v4v: In den Exemplaren wechseln drei unterschiedliche Holzschnittsignets (Übersicht mit Abbildungen). Welche Verlegermarke in welchem Exemplar verwendet wurde, ist der obigen Tabelle zu entnehmen und in der unten folgenden Exemplarübersicht verzeichnet.

  • Das Seitenlayout besteht aus dreizeiligem Motto, einem Holzschnitt, einer einzeiligen Überschrift und einem Spruchgedicht, das zunächst 34 und dann bisweilen auch 94 Verse umfasst. Ein Kapitel erstreckt sich also auf zwei gegenüberliegende bzw. vier aufeinander folgende Seiten. Ausnahme ist Kap. 48 mit einem ganzseitigen Holzschnitt ohne Motto und Überschrift. Ab Kap. 56 variiert die Verszahl des Spruchgedichts, auch die Anzahl der Mottoverse wechselt.

  • Eine bisher kaum beachtete Besonderheit ist der Umstand, dass mehrfach die Erstausgabe des deutschen 'Narrenschiffs' mit der Erstausgabe der 'Stultifera navis' von Jakob Locher zusammengebunden wurde (siehe das Berliner Exemplar aus dem Besitz des Christoph Scheurl): Offenbar bestand in der Frühen Neuzeit ein Interesse daran, beide Narrenschiffe in einem Band zu lesen.
Der digitalen Präsentation der Erstausgabe des ‚Narrenschiffs‘ (11.2.1494, GW 5041) liegt das Berliner Exemplar zugrunde.

Signatur Berlin, SBPK, Inc. 604 (an Inc. 607)
Katalog Stabikat (Staatsbibliothek zu Berlin)
Digitalisat Digitalisierte Sammlung (Staatsbibliothek zu Berlin)
XML-Datei XML-Datei im TEI-P5-Format (Narragonien digital)
Anzeige Online-Anzeige in der Synopse (Narragonien digital)

Die Berliner 'Narrenschiff'-Ausgabe ist vollständig und weitgehend unbeschädigt (Druckermarke: DrM IVa [KW I, 399]). Es finden sich wenige Leserspuren in margine (etwa Unterstreichungen fol. e1r, h1v, o3r, q2v). Die Ausgabe ist Teil eines Sammelbandes, der die Erstausgaben von Lochers ‚Stultifera Navis‘ (Basel [Johann Bergmann von Olpe], 1.3.1497; GW 5054) und Brants ‚Narrenschiff‘ (Basel [Johann Bergmann von Olpe], 11.2.1494; GW 5041) umfasst. Wir danken Herrn Dr. Falk Eisermann und der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz für die Bereitstellung des Digitalisats.

Der Berliner Band weist drei Exlibris des Nürnberger Humanisten Christoph II. Scheurl auf, siehe Wuttke 1994, S. s: „Das älteste befindet sich, eine alte Kolorierung aufweisend, auf dem vorderen Innendeckel (Abb.). Es wird Lucas Cranach d.Ä. zugeschrieben und auf 1510/11 datiert. Für das zweite, das sich auf dem hinteren Innendeckel befindet (Abb.) ist der terminus post quem der 29. August 1519. Erwin Panofsky schreibt es Albrecht Dürer zu. Auf der Rückseite des letzten Registerblattes des deutschen Narrenschiffs (fol v 6v = S. 316) ist das jüngste und dritte Exlibris geklebt (Abb.), dessen terminus post quem der 3. August 1535 ist.“ Scheurl war seit seiner Studienzeit ein begeisterter Büchersammler war und baute eine Bibliothek von ca. 600 Bänden auf (Fuchs 2013). Dass das deutsche und lateinische ‚Narrenschiff‘ in einem Sammelband vereint sind, entsprach offenbar einem zeitgenössischem Leserinteresse: Neben Christoph Scheurl besaß u.a. auch Hartmann Schedel ein solches zweisprachiges Narrenbuch (Günthart 2007, S. 233-236). Scheurls Sammelband kam im Jahr 1850 mit der Sammlung Meusebach in die Königliche Bibliothek zu Berlin.

Das Exemplar wurde 1912 von Franz Schultz als Printfaksimile herausgegeben, ein Nachdruck erschien 1994 durch Dieter Wuttke. Im Unterschied zu diesem Printfaksimile, in dem Schultz einige Lesespuren retouchierte und zwei Holzschnitte umstellte (vgl. Wuttke 1994, S. t-v), entspricht das hier präsentierte Digitalisat exakt dem frühneuzeitlichen Druckexemplar. Das Berliner Exemplar ist Grundlage für alle Narrenschiffeditionen seit dem 19. Jahrhundert, ausgenommen die Edition von Lemmer 2004, der das Dresdener Exemplar zugrunde legt (Rockenberger 2011, S. 69). Eine druckanalytische Untersuchung der materiell-medialen Objekteigenschaften hat Rockenberger 2011, S. 69-92 vorgenommen.

Der ursprüngliche Überlieferungsverbund von deutschem und lateinischem 'Narrenschiff', der auf Scheurl zurückgeht, hat sich in der neuzeitlichen Editionsgeschichte aufgelöst. Auch die Internet-Präsentation der Berliner Staatsbibliothek hat den historischen Verbund der beiden 'Narrenschiffe' nicht bewahrt: Die Digitalisate der beiden Werke werden getrennt voneinander präsentiert - eingefügt zwischen denselben Buchrücken, aber ohne das jeweilige "Geschwisterwerk". Aus Scheurls Bilingue sind zwei getrennte 'Narrenschiff'-Überlieferungen geworden.

Die nachfolgenden Angaben fußen auf den Inkunabelverzeichnissen (GW, ISTC usw.) und Bibliothekskatalogen und wurden, soweit möglich, durch Autopsie ergänzt.

1. Basel, Universitätsbibliothek Hauptbibliothek, Ai II 22
GW-Sigle „Ba“; DrM III (KW I, 395). Erhalten sind 142 von 158 Blätter: Es fehlen a1-a4, a6-a7, b2, c1-c2, c4-c6, d2, d5, d7, v6; alle Blätter sind am oberen Rand angebrannt; stark beschnitten sind a5, a8, b1, b3-b8, c3, c7-8, d1, d3-4; nicht rubriziertes und nicht koloriertes Exemplar; gelegentliche hs. Eintragungen, u.a. frz. Übersetzungen der Kapiteltitel in margine (vgl. etwa ev). Das Exemplar kam am 4. Mai 1849 als Geschenk der Erben Paravicini an die UB Basel (freundliche Auskunft von Dr. Ueli Dill, 7.11.2019). Das Printfaksimile von Koegler 1913 gibt nicht das Basler Exemplar wieder, sondern besteht aus Einzelseiten verschiedener Exemplare, vgl. Wuttke 1994, S. q.
>> Katalogeintrag Swissbib >> Digitalisat bei e-rara

2. Basel, Universitätsbibliothek Hauptbibliothek, Rb 1565
Neue Sigle „Ba2“; DrM IVb (KW I, 400). Es fehlen 28 Bl. mit 25 Holzschnitten: a2-a8, b1-b2, b4-b5, b7-b8, c1, c7, e8, g4-g8, h3, h7, k7, m1, o8, v1, v6; nicht rubriziertes und nicht koloriertes Exemplar; einzelne hs. Eintragungen.
>> Katalogeintrag Swissbib >> kein Digitalisat verfügbar

3. Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Inc. 604 (an Inc. 607)
GW-Sigle „Be“; DrM IVa (KW I, 399). Liegt der digitalen Ausgabe zugrunde, siehe unten die Exemplarbeschreibung.
>> Katalogeintrag Stabikat (SBPK Berlin) >> Digitalisat (SBPK Berlin)

4. Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek, Inc II 218
GW-Sigle „Da“; DrM IVa (KW I, 399). Es fehlt Bl. a8; Bl. a1 (Titelholzschnitt) wurde durch ein nachträgliches Titelblatt ersetzt; nicht rubriziertes, aber ungelenk altkoloriertes Exemplar („Barbarei“, Schultz 1913, XIII).
>> Katalogeintrag ULB Darmstadt >> Digitalisat (ULB Darmstadt)

5. Dresden, Sächsische Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek, Ink. 394.4
GW-Sigle „Dr“; DrM III (KW I, 395). Vollständiges, nicht rubriziertes und nicht koloriertes Exemplar. Grundlage der Edition von Lemmer 2004, vgl. dort S. XXXV-XXXIX. Das Exemplar hat eine „Sonderstellung als eines an einigen Stellen revidierten Abzugs“ der Erstausgabe (vgl. Schultz 1913, XIIIff.) und gehört wohl zu ihren „zuletzt gedruckten Exemplaren“ (Lemmer 2004, XXXVI).
>> Katalogeintrag SLUB Dresden >> Digitalisat (SLUB Dresden)

6. Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 8° Poet. Germ. II, 2114 Inc. Rara
GW-Sigle „Gö“. Von diesem Exemplar sind nur 11 Blätter erhalten (d1, f3, f5-f7, g2, h2-3, p3, s3, t3), die als Ergänzung in das defekte Göttinger Exemplar der Reutlinger Ausgabe von 1494 (GW 5043) eingebunden wurden. Nicht rubriziertes und nicht koloriertes Exemplar. Kein Digitalisat vorhanden.

7. Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek, AD+BL244
GW-Sigle „K“; DrM IVb (KW I, 400). Es fehlt a1, kleiner Textverlust auf fol. v6. Ansonsten vollständiges, nicht rubriziertes und nicht koloriertes Exemplar.
>> Katalogeintrag und Digitalisat der USB Köln

8. Mettingen, Draiflessen Collection (Liberna Collection),Inc. 40
DrM IVb (KW I, 400). Unvollständiges, nicht rubriziertes und nicht koloriertes Exemplar. Es fehlen die fol. a1, a7, a8, c1, k4, k5, m2, o7, p3 und v1. Im Register wurden die Kapitelnummern handschriftlich eingetragen. Das Exemplar stammt aus dem Besitz des Straßburger Theologen und Juristen Johann Georg Scherz (1678-1754). Laut Eintrag auf dem vordereren Innendeckel erhielt Scherz den Band am 10.12.1703 als Geschenk von dem befreundeten Kollegen Johannes Philipp von Bartenstein (1650–1726), der seinerseits Professor für Philosophie und Leiter des Straßburger Gymnasiums war. Heute gehört das Exemplar der Liberna Collection an und wird seit 2012 als Dauerleihgabe in der Draiflessen Collection in Mettingen verwahrt. Für die Möglichkeit zur Einsicht in das Exemplar danken wir herzlich Johanna Weymann, Draiflessen Collection.

9. München, Bayerische Staatsbibliothek, Rar 121
GW-Sigle „M“; DrM IVb (KW I, 400). Bl. 97 defekt. Ansonsten vollständiges, rubriziertes und nicht koloriertes Exemplar. Einbandbeschreibung siehe EBDB w003857
>> Katalogeintrag der BSB München >> Digitalisat der BSB München

10. New York, The Morgan Library, ChL 1397
GW-Sigle „N“; DrM IVa (KW I, 399).
>> Katalogeintrag der Morgan Library >> kein Digitalisat verfügbar

11. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Inc. 4° 627
Neue Sigle „Nü“. Es fehlen Bl. 1-9, 25, 26, 31-33, 40, 41, 48, 97, 104, 113, 114, 120, 145-158. Bl. 119, 16, 139, 142 hinter Bl. 144 eingehängt. Bl. 74 u. 81 mit Textverlust. Laut MRFH 20580 zeitgenössischer Ledereinband aus der Werkstatt des Würtzburger Benediktinerklosters (Kyriss 37,1 = EBDB w000063), hs. Marginalien.
>> Katalog des GNM Nürnberg >> Digitalisat: auf Nachfrage im GNM verfügbar

12. Washington, Library of Congress, Incun. 1494 .B74 Rosenwald Coll.
GW-Sigle „F“; DrM IVa (KW I, 399). Es fehlt Bl. a1. Ansonsten vollständiges, nicht rubriziertes und nicht koloriertes Exemplar. Auf dem vorderen Innendeckel der Eintrag Theodoricus de Engelsperg. Das ehem. Exemplar aus dem Kapuzinerkloster in Freiburg i. Ü. gelangte, wie die weiteren Eintragungen belegen, Anfang Oktober 1947 in die Rosenwald Collection.
>> Katalogeintrag der LOC Washington >> Digitalisat der LOC Washington

13. Wien, Museum für angewandte Kunst, Barockbibliothek P I 11
GW-Sigle „W“; DrM IVb (KW I, 400). Es fehlen a1 und h2. Bl. i2v ist defekt. Mehrfach (etwa fol. 150r und 151r) ist die oberste Zeile abgeschnitten; in solchen Fällen ist auf der vorangehenden Seite diese erste Zeile handschriftlich nachgetragen. Die Seite b1v und b2r haben ihre Stelle mit b7v und b8r getauscht (Schultz 1913, S. ee). >> Katalog des MAK Wien >> kein Digitalisat verfügbar

14. Wittenberg, Reformationsgeschichtliche Forschungsbibliothek, PS-EKU 3
Es handelt sich um das Doppelblatt fol. v3 / v4 (Kap. 112, Kolophon) aus der Erstausgabe des 'Narrenschiffs' (GW5041), das unverändert (also mit Kolophon Basel 1494!) in ein Exemplar der Zweitausgabe des 'Narrenschiffs' (GW5046) eingebunden wurde. Das Exemplar stammt aus der Bibliothek des Berliner Oberkirchenrats und wurde von der Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars zu Wittenberg übernommen (= Standort nach GW). Im Jahr 2018 wurde die Bibliothek des Predigerseminars mit der Bibliothek des Lutherhauses zur Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek im Schloss Wittenberg zusammengeführt. Hier werden das Exemplar von GW5046 und das eingebundene Fragment aus GW5041 heute verwahrt (freundliche Auskunft von Matthias Piontek, RFB Wittenberg, 30.10.2020).
>> nicht im Katalog der RFB Wittenberg verzeichnet >> kein Digitalisat verfügbar

Verschollene / verlorene Exemplare
Das von Knape / Wilhelmi 2015 zu D129 (Bd. 1, S. 398) erwähnte Exemplar in Prag (Knihovna Akadmie ved Ceske republiky) ist womöglich das von Schultz 1913 herausgegebene Faksimile (unklare Auszeichnung im Katalog). Das ebd. erwähnte Exemplar in der Nationalbibliothek Wien ist dort nicht nachweisbar (freundliche Auskunft von Dr. Konstanze Mittendorfer, 14.9.2020). Der Verbleib des Fragments Klagenfurt (A), Sammlung Dax, ist ungeklärt (freundliche Auskunft von Mag.a Christa Herzog, UB Klagenfurt, 15.9.2020).